Ich stehe vor dem Kochherd und schneide Zwiebeln. Ätherische Öle werden freigesetzt, und ich reibe mir die Augen. Das heisse Öl in der Pfanne nimmt meine „Tränen-Würfelchen“ bereitwillig entgegen. Sogleich schüttet der sich verbreitende Wohlgeruch Euphorie in meinem Denkapparat aus – der Auftakt für den Magentrakt, mal behaglich, mal aufdringlich wie ein Kater zu „schnurren“. Der Heisshungeranfall ist vorprogrammiert. Die daraus resultierende temporär überschwängliche Gemütsverfassung vermindert meine Hemmungen. Der Löffel voll kochend heisser Suppe schnellt zu meinem Mund und… autsch! Die Folgen meines ungebremsten Heisshungers endet mit einem Spurt zum Wasserhahn! Ich streue mir zur Linderung Zucker auf die Lasche und hoffe, dass nur sie, aber nicht meine Vorfreude auf die Suppe abkühlt.

Leider schützt Sonnencreme weder meine Zunge noch meine Mitmenschen vor Verbrennungen bei rauschhafter Hochstimmung in der Gottesbeziehung. Das Verlangen meines Herzens nach echtem Ausdruck von Begeisterung über meinen unglaublich grossen Gott soll nicht nur einen temporären euphorischen Heisshunger auslösen, welcher alle Umstehenden abschreckt. Indem ich mich auf jede „selbstgekochte Suppe“ stürze und allen brühwarm meine Erlebnisse mit Gott erzähle, zerstöre ich nicht nur mir die Freude am genussreichen Menu der Gnade Gottes. Dies bedeutet aber nicht, dass ich meine Begeisterung abgeklärt unterdrücken muss, wenn ich die Freundlichkeit des Herrn koste. Es bedeutet vielmehr, behutsam (kommt von behüten) jeden Löffel voll Gnade zu geniessen und danach meiner Freude mit auch mal überschwänglichem Gotteslob Ausdruck zu verleihen. Mir fiel nämlich gerade auf, dass Begeisterung in der Bibel immer im Lob und in der Anbetung Gottes endet, und nicht in der Selbstdarstellung! Also, vorsichtig sein beim „Heissgekochten“;-)!

Mit überschwänglichen Worten erinnern die Menschen an deine große Güte, jubelnd preisen sie deine Treue. Psalm 145,7

 

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