BaustelleGeduld ist die erste Lektion der Liebe! Insgesamt 27 Monate harrten wir Eltern „in guter Hoffnung“ aus, um unter gemeinsam durchgestandenen Wehen drei Kinder auf die Welt zu stellen. Damit begann unser Leiden im Geleit der Ungeduld: Wann lässt mich das kleine Menschenkind endlich wieder durchschlafen? Wann stösst der erste Zahn durch? Wann macht unser Stammhalter endlich aufs Töpfchen? Wann tut mein Pusselchen den ersten Schritt? Wann lernt Dreikäsehoch bloss, nicht mehr mit den Händen zu essen? Und so ging es immerfort! Sprechen wir gar nicht erst von der Ungeduld beim Einüben von Tugenden…! Mindestens ein halbes Leben pro Kind haben wir ihnen gepredigt, vor dem Essen die Hände zu waschen, ihre Zähne zu putzen, nicht Zucker zu naschen und nicht alles liegen zu lassen wie die Hühner den Dreck! Und kaum wird der Sprössling zwölf, geht es los: Wir Eltern, eben noch jung und heroisch, kommen in ein schwieriges Alter. Wir werden altmodisch, spießig, überbesorgt – und manchmal regelrecht peinlich. Eben noch waren wir erpicht darauf, unsere Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen, und schon erschrecken wir über das autonome Gebaren unserer halbwüchsigen Jungs und unseres aufbrausenden Backfischs. In unseren verzweifelten Bemühungen, unseren Kindern in ihren „Flegeljahren“ gesunde Leitplanken zu geben, ohne sie zu gängeln, schienen unsere Augen bei ihnen zu betteln: Bitte habt Geduld mit uns und versucht hinter unserem merkwürdigen Verhalten etwas von der Liebe zu euch zu entdecken!

Unterdessen haben wir unser „schwieriges Alter“ beinahe überstanden und die erste Lektion der Liebe gelernt. Die Barrikaden der Pubertät sind überwunden. Auch das Schild: „Betreten der Baustelle auf eigene Gefahr“ steht nicht mehr vor der Herzenstür unserer Jugendlichen. Seit wir neuen Zugang zu ihnen haben, ist es deutlich behaglicher bei ihnen geworden. Der Ausbau ihrer Persönlichkeit macht uns sprachlos und lässt des Meisters Handwerk erkennen. Kein Wunder, ist doch der Architekt unserer eigenen Herzen bei ihnen am Werk, welchen wir inständig um die ganze Fülle seiner Gnade in ihnen erbitten. Auch für die neu entstandenen Baustellen dürfen wir getrost Gott vertrauen lernen, dass ER die Bauleitung übernimmt: Unsere drei Jugendliche sind verliebt und freuen sich an der wachsenden Beziehung für den zukünftigen Bund der Ehe! Sollten wir sie dabei nicht freudig unterstützen und anreizen zur Reinheit und Gottesfurcht, bis sie vor dem Traualtar stehen?

Unsere Bilanz: Sich in Geduld zu üben und viel mit Gott über seine Sprösslinge zu sprechen lohnt sich wirklich! Gott möchte selber die Herzen der Eltern den Kindern zuwenden. Unsere Ungeduld, die uns dazu antreibt, Gott bei seinem Werk unter die Armen greifen zu wollen, steht ihm nur im Wege. Unser Beitrag ist der, den Honigtopf für unsere angehenden Erwachsenen höher zu hängen und mit dem elterlichen Verwöhnungsverhalten aufzuhören. Die Pubertät ist bereits der Schlussteil unserer Erziehungsaufgabe. Unsere Jungen brauchen nicht „Welpenschutz“  für sogenannte „Narrenfreiheit“, sondern unser  Vorbild und unsere Standhaftigkeit in den göttlichen Werten des Lebens. Dafür braucht es manchmal etwas „Mut zur Peinlichkeit“. Am allermeisten sollten wir gläubigen Eltern jedoch damit aufhören, immer noch hinter unseren jungen Erwachsenen her zu rennen und ihnen die „Schnuddernase“ zu putzen. Manche Väter und Mütter tun dies ihr Leben lang. Unsere Söhne und Töchter sollen selber Verantwortung gegenüber ihrem Gott und den Mitmenschen tragen lernen. Sie sollen Überwinder werden, weil es um ihre eigene Heiligung geht. Wir müssen unsere emotionale Verantwortung abgeben und zugleich in eine gesund wachsende Beziehung investieren, die losgelassen hat. Warum? Wir haben es doch schliesslich mit dem himmlischen Vater und dem Heiland zu tun! Dies allein macht uns geduldig und getrost.

Geduld zu haben ist besser, als ein Held zu sein; sich selbst unter Kontrolle zu haben ist besser, als Städte zu bezwingen. Sprüche 16,32

 

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