Wir kennen ein Ehepaar, welches an ihrem Arbeitsplatz eine Belegschaft von mehreren hundert Untergebenen unter sich hat. Die Beiden tragen die Verantwortung für die verschiedenen Abteilungsbereiche und sind für deren Unterhalt  und Pflege zuständig…. Er ist Bestatter und sie Friedhofsgärtnerin :-) .

Dass die beiden lebendiger sind als ihre „Belegschaft“ in den Gräbern ist offensichtlich!

Doch – nicht tot zu sein bedeutet noch nicht unbedingt, zu leben. Wie ich das meine? Ganz einfach: Unsere Gedanken können – wenn wir sie nur den kleinsten Raum einnehmen lassen – unheimlich Macht über uns gewinnen. Nehmen gar negative Gedanken von uns Besitz, setzt bald einmal eine Art Verwesung ein. Dies kann im Extremfall z.B. so funktionieren:

„Ich sollte unbedingt ein Rezept haben, wie man Zucchetti  süss-sauer einkocht. Ob ich mal unsere Hauskreisleiterin fragen soll? Die macht so köstliches Süss-Saures. Aber sie hat mir letztes Mal im Bibelkreis das Wort abgeschnitten. Bestimmt hat sie das absichtlich getan, weil ich letzten Sonntag nicht Zeit hatte, ihr beim Kirchenkaffee zu helfen. Und überhaupt, was bildet die sich eigentlich ein, wie gottbegnadet sie sei, so wie die sich herausputzt! Frau Scheinheiligkeit soll sich bloss nicht einbilden, dass ich bei ihr angekrochen komme, um nach ihrem Zucchetti-Rezept zu betteln. Diesem Reibeisen werde ich jetzt gleich die Meinung sagen…!“ – Sie geht ans Telefon, wählt und schreit in den Hörer: „Behalt dein Süss-Saures bloss für dich, du eingebildete Gans!!“

Weithergeholt? Aber so ähnlich werden Gräben aufgeschüttet, wenn man seine gedanklichen Fiktionen nicht schnellstens unterbindet. Es entstehen riesige Friedhöfe mit lebendigen Toten. Sie wandeln einsam durch den Alltag und verbreiten Verwesungsgeruch – weil sie es versäumt haben, tägliche Psychohygiene zu machen, indem sie den Sachgehalt ihrer Gedanken auf deren Wahrheit überprüfen. Dies fordert auch mich persönlich stark heraus!  Da kann ich dem Prediger in Kapitel 10,1 zustimmen:

Tote Fliegen verderben duftende Salben. Ein wenig Torheit wiegt schwerer als Weisheit und Ehre.“

 


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