Oh wie unangebracht ist mir die Imagination…

…dass ich dem allmächtigen Gott, dem Ewigen und Unantastbaren, dem unerforschlichen Erhalter des Universums, der Weisheit und Gerechtigkeit in Person, welcher mich teuer erkauft hat durch Jesu Blut, um mir überfliessendes Leben zu schenken um mein “Abba” – lieber Vater – zu werden …

…dass ich solch überragendem Gott auf den Schoss klettern könnte, um mich von ihm auf seinen Knien wiegen zu lassen!

Ich würde das ehrfürchtige Staunen über solch heiliger Majestät, die sich in solcher Erhabenheit und gleichsam erbarmender Liebe über meine Verlorenheit herabgebeugt hatte, um mir seine gnädige Zuwendung zu schenken, in der Banalität einer „Kuschelgott-Vorstellung“ verlieren!

Lieber wollte ich Gottes erlöste, angenommene und innig geliebte Sklavin bleiben, als eine „brabbelnde Vaterschoss-Kletterin“, dessen Gedanken sich einzig allein um eigene Gefühle und menschliche Vorstellungen der göttlichen Vaterliebe drehen!

Gottes gnädige Gegenwart ist alles, was ich mir wünsche:

Vor Gottes Thron am Saum seines Gewandes knien zu dürfen, ihn in innigster Gemeinschaft anzubeten, die Strahlen seiner Liebe zu fassen, seine Barmherzigkeit wie den Tau am Morgen zu trinken, meine befreite Seele wie ein Adler in die unendlichen Höhen seiner Güte zu erheben und gemeinsam mit den Cherubim und Serafim Gottes Gnade und Weisheit zu lobpreisen und zu singen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr!

In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch. Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.                                         Jes.6,1-5

Geläutert und geheiligt

(Berufung Jesajas)

Erst als ich mich
In Gottes Gegenwart wiederfand
Bekam ich eine Vorstellung
Seiner Heiligkeit und Souveränität:
Als Gott, der Herr
Auf hoch erhabenem Thron
Mit dem Saum seines Gewandes
Den Tempel meines Geistes erfüllte
Verschwand jegliche Vorstellung
Eines Kuschelvaters
An dessen Gewand ich mich
Auf seine Knie hochziehen kann:
Serafine bedeckten mit ihren Flügeln
Ihr Antlitz und ihre Füsse
Alles, was da nackt und bloss
Vor Seiner Heiligkeit
Ein Ende nehmen müsste.
Wehe, ich muss vergehen
Denn ich bin nackt und bloss
Mit unreinen Lippen
Gehöre ich zu einem Volk
Welches sein Herz und Gebein
Seinen unreinen Mund
Nicht in den Griff bekommt!
Erhabener Gott
Warum noch such ich Dir
Und Menschen zu gefallen
Ich kann nicht bestehen
Vor Deiner Heiligkeit
Muss armselig und bloss
Vor dir vergehen!
Und die Serafine sangen
Mitten in mein Entsetzen hinein:
„Heilig – heilig – heilig
Ist der Herr Zebaoth,
Herr der Heerscharen
Alle Lande sind Seiner Ehre voll!“
Da flog ein Serafin
Mit einer glimmenden Kohle
Die er mit einer Zange
Vom Opferaltar Gottes nahm
Zu mir und berührte meine Lippen
Damit meine Schuld
Ins Opferblut Jesu getaucht
Von mir genommen würde
Welcher glühend für mich
Freiwillig auf dem Altar lag
Damit meine Unvollkommenheit
Durch IHN vollkommen werde
Beauftragt und geheiligt
Durch seine Liebesglut.
Diese reinigende
Allumfassende Liebe
Durchströmte mich
Umfing all meine Sinne
Der Herr heilte mich und
Begegnete mir als Majestät
Als unvergleichlicher Königsvater
Ohne seine Souveränität
Und furchteinflössende Allmacht
Durch humanistische Phantasien
Einschränken zu lassen.
Heilig – heilig – heilig ist der Herr!
Anbetend beuge ich meine Knie
Verberge mein Gesicht vor seinem Thron
Im Saum seines Königsgewandes
Welches mich mit einem Schauer
Seiner Liebe und Barmherzigkeit umhüllt
und meine menschliche Angst und Blösse
mit dem Kleid seiner Gerechtigkeit
bedeckt.
Anita Bargen, im April 2008

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