Ich stand am Poolrand der “Bibelschwimmer” und beobachte die Menschen im “Frommbecken”, wie sie in die Wogen des Lebenswassers eintauchten.

Eigenartig, sie schienen dieses Nass zu geniessen! Jeder war anders: Einige waren übermütig und voller Energie, andere schienen sich müde von den Wellen tragen zu lassen. Es gab fröhliche Gesichter, aber auch angespannte – solche, die das Training anstrengend fanden oder gerade Ausdauer im Langstreckenschwimmen übten. Wenn sie in die Tiefen tauchten oder kraulten, schlug das Wasser ihnen über dem Kopf zusammen, und sie schienen trotzdem quieklebendig wieder aufzutauchen.

Manche ermutigten die Beobachter am Beckenrand, sich doch auch hineinzuwagen. Andere spritzten das „Wasser des Heils“ in die Gesichter anderer und versuchen sich gegenseitig unterzutauchen, und dennoch strahlten sie eine Lebensfreude aus. Es gab zwar auch solche, die Wettbewerbe veranstalteten und sich um Ränge stritten. Aber trotzdem bekam ich nicht den Eindruck, dass sie sich gegenseitig ersäufen wollten, denn sie schwammen gleich darauf wieder mit Begeisterung weiter. Zwar verschluckte sich mancher inmitten der Lebhaftigkeit und Vielfalt der Badegäste im bewegten Wasser. Mancher „bebibelte“ die anderen so heftig mit Wortspritzern, dass diese sich die Augen rieben und nach Luft schnappten.  Für Ordnung sorgten einige Bademeister, indem sie an das Gewissen der Badegäste appellierten.

Es gab auch Badegäste, die am Rande im Wasser stehend gemächlich zuschauten und kein grosses Interesse an der überschwänglichen Lebendigkeit zeigten. Andächtig schauten sie von Zeit zu Zeit auf den Grund des Bibel-Pools, als ob sie etwas suchten, ohne zu wissen was. Darunter waren auch einige Sauerniegel mit Bademeister-Marotten, welche  meinten, der Pool sei nur für ethisch korrekte Schwimmer bestimmt. Doch die Badewindeln der Kids sind leider nicht immer ganz dicht, und Anfängerschwimmer spritzen manchmal ganz schön um sich. Auch diejenigen, die für die Rettungsschwimmer-Prüfung trainierten, machten noch so ihre groben Fehler. Leider kam es auch vor, dass einige wenige mit leicht blauen Lippen oder Gesichter aus dem Bibel-Pool ausstiegen. Sie verachteten die Naturgesetze des Lebenswassers und begaben sich in zu tiefe Gewässer hinein, ohne schwimmen lernen zu wollen. Sie wussten alles besser und Schuld am Sauerstoffmangel war die Gesetzlichkeit des Bibel-Pools…

Dies aber gerade macht mir Angst! Nein, ich wollte nicht in dieses komische „Frommbecken“ hinein, sonst würde ich vielleicht doch mal im Sog der Glaubensüberzeugungen ersaufen…

Doch da erregte etwas meine Aufmerksamkeit: Einer sass auf der obersten Stufe des Beckenrandes, und viele kleine Kinder in meinem Alter spielen übermütig mit ihm. Die Bademeister schienen jedoch keinen Gefallen daran zu finden und beanstandeten die Mütter, ihre Kinder zur Vernunft zu bringen. Sie sollten den Inhaber und Urheber des Lebenswassers endlich in Ruhe lassen. Doch was tat dieser: Er schickte die Bademeister auf ihre Posten zurück und ermutigte die Kinder, zu ihm zu kommen.

Nun setzten sich alle auf die erste Stufe des Bibel-Pools, und dieser Jesus, dem das ganze Wasser gehörte, zeigte den Kids, wie sie ihre Füsse ins Wasser tauchen und die Angst vor Wasser überwinden konnten. Nun zog es mich wie ein Magnet zu den Kids in den Badewindeln hin, und ich setzte mich zu diesem Mann, der mich wie ein Magnet anzog. Er war anders als die Menschen um mich herum – irgendwie absolut vertrauenswürdig.

Gerade tauchte auch ich meine Füsse ins kühle Wasser, da bekam ich einen Spritzer davon ins Gesicht. Erschreckt zog ich mich zurück. Aber der Jesus-Mann streckte mir seine Hand entgegen, und ich fasste Vertrauen. An seiner festen Hand tauchte ich meine Füsse erneut ins Wasser. Das kribbelte schön!

Und nun lernten wir Anfänger miteinander, die Lippen ins Wasser zu tauchen und mit Pusten Blasen im Wasser zu erzeugen. Es brauchte einige Überwindung, immer mehr von diesem kühlen Nass zu erobern. Ich merkte jedoch gar nicht, wie dieser Jesus uns immer mehr mit dem Wasser vertraut machte, bis wir schliesslich vollends – mit festem Boden unter den Füssen – im nassen Element plantschten!

Plötzlich fühlte ich, wie seine starken Hände mich um die Lenden fassten und Er mich hinauf auf den Beckenrand stellte. Verwundert sah ich, wie er seine Arme zu mir hinstreckte und mich liebevoll ermutigte: „Spring hinein, ich fange dich auf! Ich lasse dich nicht fallen!“ Vor dieser Zumutung, in die Tiefen des Lebenswassers hinein springen zu müssen, zog ich mich voller Schreck in meine Beobachterecke zurück. Ich wollte das Wasser auch geniessen können wie die anderen, die einen solchen Frieden ausstrahlten. Aber die Angst war grösser, darin versinken zu können.

Doch dieser Jesus holte mich liebevoll und sanft lockend wieder aus meiner Ecke heraus. Er versprach mir, mir all die schönen Dinge zu zeigen, die sein Vater für seine Kinder bereit gemacht hätte. Er sagte mir auch, dass alle, die in sein Lebenswasser eintauchten, seine Kinder seien und er dafür sorgen würde, dass keines ertränke. In diesem Wasser sei ER allein – Jesus – dafür verantwortlich, dass alle Kinder schwimmen lernten. Ich glaubte ihm, denn an seinen Handflächen und Füssen hatte der freundliche Schwimmlehrer ein Lebensrettungs-Ehrenzeichen. Weiter erklärte Jesus mir nun, dieses Schwimmbad sei einzig zu dem Zweck bestimmt worden, um sich auf die Ewigkeit vorzubereiten, um eines Tages sicher das andere Ufer im Ozean des Lebens erreichen zu können. Dort drüben warte der Schöpfer allen Lebens auf seine Kinder. Jeder der dieses Ziel erreiche, werde dann immer bei Ihm bleiben dürfen und werde in Ewigkeit nie mehr Angst, Schmerz und Not erleiden!

Gemeinsam stiegen wir wieder ins Wasser zurück. Ich begann zu glauben, dass das Lebenswasser auch Freude machen konnte, auch wenn ich ahnte, dass man sich beim Schwimmen lernen manchmal gehörig verschluckte. Da die vielen Schwimmer im Frommbecken ziemlich normale Menschen mit Stärken und Schwächen waren, verstand ich, dass ich mich vor allem auf den Schwimmlerer verlassen konnte. Alle, die bereits schwimmen konnten, nannten ihn verlässlich und vertrauenswürdig! Ich glaubte ihnen!

Zum ersten Mal liess ich mich in seine starken Armen fallen, obschon mein Herz bis zum Hals hinauf klopfte. Aber nach einer Weile begann eine tiefe Freundschaft und eine Art Vaterbeziehung zu Jesus zu wachsen. Ich konnte gar nicht mehr aufhören, mich in die Fluten des Bibel-Pools hineinzustürzen, denn immer fingen mich die starken Jesus-Armen auf. Bereits lernte ich mich tragen von den Wogen des Wort Gottes. Verschluckte ich mich, war immer einer da der schon schwimmen konnte, und klopfte mir auf den Rücken. Als mich mein Schwimmlehrer zum ersten Mal einen Moment sanft losliess, um mich alleine einen Zug schwimmen zu lassen, begann ich vor Schreck zu sinken, und ich schluckte Wasser. Das gab einen leichten Knacks in mein gewonnenes Vertrauen. Aber Er blieb treu an meiner Seite und liess mich nie fallen. Er zog mich aus dem Wasser raus, wenn es mir über dem Kopf zusammenschlug, und ich erkannte, dass seine Absichten mit mir immer gut waren.

Seither errang ich mit seiner Hilfe schon einige Schwimm-Auszeichnungen. Die Prüfungen waren manchmal schwer, und ich bestand nicht jede auf Anhieb. Doch die „Lebensrettungs-Ehrenzeichen“ meines Schwimmlehrers erinnern mich immer daran, dass ich bei Ihm in guten Händen bin, und dass ich auch meine letzte Prüfung mit seiner Hilfe erreichen werde: Den Schwimm-Marathon über den Ozean! Heute ermutige ich andere Beckenrand-Hüter und Schwimmanfänger dazu, sich in die Arme unseres Schwimmlehrers hineinzuwerfen und in die Fluten des Lebenswassers einzutauchen. Es gibt nichts schöneres, als die Nähe und väterliche Beziehung zu unserem Lebensretter Jesus!

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