lebensmittelregalBeim Einkaufen verfalle ich manchmal dem Beobachten anderer Kunden: Da streitet sich ein altes Ehepaar um Brot – aber nicht etwa, weil sie so hungrig sind. Die Gattin schimpft gehässig auf ihren Gemahl ein, weil er ihr ein Baguette in den Einkaufswagen gelegt hatte: „Immer muss ich dein Brot essen!“  Der zerpflückte Ehemann nahm sein Baguette mit verzerrter Mine aus dem Wagen und warf es ohne Worte in hohem Bogen zurück ins Regal.

Bei der Fleischtruhe steht eine betagte Nachbarin und ich grüsse sie freundlich. Sie schaut verdriesslich auf das riesige Sortiment an Fleischprodukten und jammert griesgrämig: „Es gibt immer nur dasselbe – immer nur dasselbe!“ Ich ermutige sie und weise auf ein Sonderangebot. Doch sie rümpft die Nase und verzieht das Gesicht. Ein anderer Kunde schimpft lautstark auf die Kassiererin ein und beklagt sich, was dies doch für ein rückständiger „Schuppen“ sei. Das Brot sei ja nicht mal warm!

„Hilfe!“, frage ich mich, „wo bin ich nur gelandet?“ – Da kommt mir mein verstorbener Schwiegervaters in den Sinn, welcher in jungen Jahren in Russland eine schwere Hungersnot durchgemacht hatte. Man erzählte sich damals untereinander folgende Geschichte: Da war ein Knecht, welcher oft bei Tisch über das Essen gemeckert hatte, indem er seinen Löffel verdreht – mit der Wölbung nach oben – in die Bohnen steckte und beim „Löffeln“ wiederholt das Sprüchlein sagte: „Willst du nicht, so brauchst du nicht“. Als derselbe Knecht in der Hungersnot seinen ehemaligen Arbeitsgeber um Essen bat, habe der Bauer ihm eine Lektion erteilt, die ihn zum Weinen brachte: Er nahm die Schaufel, steckte sie umgekehrt in den Bohnensack und „schaufelte“ brummend: „Willst du nicht, so brauchst du nicht“. Weinend habe der Unglückselige schliesslich seine Bohnen dann doch noch bekommen.

Wir Menschen sind oft grundlos so unzufriedene, undankbare Geschöpfe, dass wir im nu all die Wohltaten Gottes als selbstverständlich betrachten oder gar vergessen. Psalm 103 ist mir in den letzten Monaten zum tiefen Herzenswunsch für mein Leben geworden. Es lohnt sich, diesen Psalm wieder mal betend zu lesen!!!


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Lobt den Herrn! (Psalm 103)

1 Von David. Lobe den Herrn, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen! 2 Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!1 3 Der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen; 4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit; 5 der dein Alter2 mit Gutem sättigt, daß du wieder jung wirst wie ein Adler.3 6 Der Herr übt Gerechtigkeit und schafft Recht allen Unterdrückten. 7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israels seine Taten. 8 Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig4 und von großer Güte. 9 Er wird nicht immerzu rechten5 und nicht ewig zornig bleiben. 10 Er hat nicht mit uns gehandelt nach unseren Sünden und uns nicht vergolten nach unseren Missetaten. 11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so groß ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten; 12 so fern der Osten ist vom Westen, hat er unsere Übertretungen von uns entfernt. 13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, welche ihn fürchten; 14 denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er denkt daran, daß wir Staub sind. 15 Die Tage des Menschen6 sind wie Gras; er blüht wie eine Blume auf dem Feld; 16 wenn ein Wind darüber geht, so ist sie nicht mehr da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. 17 Aber die Gnade des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit bis zu den Kindeskindern 18 bei denen, die seinen Bund bewahren und an seine Gebote gedenken, um sie zu tun. 19 Der Herr hat seinen Thron im Himmel gegründet, und seine Königsherrschaft regiert über alles. 20 Lobt den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausführt, gehorsam der Stimme seines Wortes! 21 Lobt den Herrn, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut! 22 Lobt den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele!

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