dsc_24761„Warum tragen die Quechuafrauen von den peruanischen Anden eigentlich Herrenhüte?“, wurde ich einmal gefragt? Wer sagt denn, dass unsere Herren in der Schweiz nicht Damenhüte tragen? Welche Damenbekleidung ist eigentlich zu „Herr-lich“, und welche Herrenbekleidung zu „Däm-lich“? Wer gibt einer Gewohnheit die gültige Authentizität?

(Foto Quechuafrau:  Claudia Künzle)

Die oft unantastbaren Schweizergewohnheiten bringen uns „Multi-Kulti-Ex-Missionare“ manchmal zum lachen: Warum sieben viele Schweizer gemäss Rezept immer noch das Mehl, auch wenn ihnen noch nie wie unseren Vorfahren ein Mehlwurm über die Leber gekrochen ist? Beissen die Fische mit einer professionellen Angel wirklich besser als mit einem selbstgebastelten Stock, Angelschnur und -haken? Wer legt fest, dass man in einer Kirche aus Pietätsgründen den Hut ausziehen muss und nicht aufsetzen wie die Juden? Welche Kultur bestimmt, welches Instrument kirchentauglicher und welche Lautstärke heiliger ist?

„Neuen Wein in alte Schläuche füllen“ nennt man das, wenn Traditionen – oft kultureller Art – das authentische Evangelium bremsen wollen. Mir hilft es, wenn ich über unsere CH-er-Grenzen hinweg schaue und mich daran freue, wie in anderen Ländern das Evangelium gelebt wird. Dabei sind andere Völker nicht primitiver oder heidnischer als wir es sind, denn auch wir sind ein „Heidenvolk“, dessen Christen in den Weinstock des auserwählten Volkes Gottes eingepfropft wurden. Mit diesem Bewusstsein kann ich Gottes Wort nicht mehr in eine Form pressen wie ein zu gross geratener Braten, welchem ich aus Gewohnheit beide Enden abschneide, damit er in meinen Römertopf – äääh – Schweizertopf passt! Was wir als Gemeinden nötig haben ist eine Identität, die von der Liebe Gottes geprägt ist und nicht von unseren Ansichten eines Frömmigkeitsstils. Dann werden sogar traditionelle und kulturelle Gewohnheiten zu etwas Kostbarem!

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